Vereinsidee

Wenn die Schulzeit vorbei ist, bedeutet das häufig: aus den Augen, aus dem Sinn. Denn viele Abijahrgänge treffen sich nicht mehr, obwohl es doch so viel zu erzählen gäbe. Und zu einzelnen Mitschülern Kontakt aufrechterhalten ist auch sehr schwer, wenn jeder seit dem Abi mindestens zwei Mal umgezogen ist. Aus den anderen Jahrgängen trifft man auch niemanden mehr, obwohl man früher viel miteinander zu tun hatte. Und die Lehrer von damals? Über alle Berge!

Weil unsere Schule aber etwas ganz Besonderes ist, möchten wir die Ehemaligen mit unserem 2002 gegründeten Verein wieder zusammenbringen und alte Zeiten wieder aufleben lassen.

Unsere Ziele:

  • umfassende Adressenkartei aller Ehemaligen
  • großes Ehemaligenfest
  • Infos über aktuelle Entwicklungen an der Schule
  • Unterstützung von Jahrgangstreffen (Räume, Kontakte, Schulführung)
  • Unterstützung der jetzigen Schüler der MLS durch Ehemalige (Uni-Netzwerk, Erfahrungsaustausch, Berufsinformationsprojekt)

Gründungsrede des damaligen Schulleiters Hans-Jürgen Schmidt

Gründungsversammlung des Ehemaligenvereins der MLS am 30.08.2002 in Rimbach:

„Die Martin-Luther-Schule hat eine lange Tradition als Bildungsinstitut hier im vorderen Odenwald. 1887 wurde bereits der Vorläufer der MLS gegründet. Der Neubeginn nach dem Zusammenbruch 1945 war aber die Zäsur hinsichtlich der schulpolitischen Entwicklung in der gesamten Weschnitzregion. Die Gründung des evangelischen Gymnasiums, das 3 Jahre später Martin-Luther-Schule genannt wurde hat bedeutsame Sozialchancen für die Kinder der Menschen hier im Weschnitztal gebracht. Die Anteilnahme an dem Leben der Schule war groß und die Schule entwickelte sich auch in Anlehnung an die evangelische Kirchengemeinde als ein kulturelles Zentrum.

Durch diese Schule wurde die Region auch attraktiv als Wohnstatt für den Rhein-Neckar-Raum. Der damalige Pfarrer der Kirchengemeinde Willy Hörnle, dessen Gestaltungsmut die MLS zu verdanken, ist brachte durch die gleichzeitige Einrichtung eines Internats auch eine große Öffnung zustande, die interessante Menschen aus ganz Deutschland an das evangelische Privatgymnasium brachte. Auch die Lehrerschaft der MLS war nicht vergleichbar mit einem kleinen Provinzgymnasium, sondern offen für Entwicklung, aber gleichzeitig auch Werte bewahrend.

Der Freundskreis der MLS ist ebenfalls eine Gründung aus den Anfangstagen der Schule und hat diese Schule auch nach ihrer Verstaatlichung geprägt und entwickelt. Die Verbundenheit der ehemaligen Schülerinnen und Schüler mit „ihrer“ MLS ist sehr auffällig. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht mehrere Jahrgänge ihr Abiturjubiläum feiern. Unter uns ist Willi Jakob, ehemaliges Mitglied der Schulleitung, der immer noch gerade in der Pflege des Kontaktes der ehemaligen MLSler mit ihrer Schule seit vielen Jahren aktiv ist.

Als im Jahr 2000 die ersten Abiturienten der MLS ihr 50.Jubiläum feierten wurde mir in Gesprächen mit ihnen sehr schnell deutlich, dass es nie ein sich Lösen von der „alten Schule“ gab. Die Erinnerung an die Schulzeit an der MLS war durchweg positiv, die Bedeutung des Erlernten, Erfahrenen, die sozialen Kontakte, die Anregungen und erfahrenen Hilfen wurden nie vergessen.

Karl Jorda, der heute noch immer mit 73 Jahren als Professor in den USA lehrt, eine Kapazität auf dem Gebiet des geistigen Eigentumsrechts ist, hat an der MLS aus Schlesien vertrieben 1950 sein Abitur machen können. Für ihn war die Gründung dieser Schule und die selbstverständliche Berechtigung als katholischer Junge die evangelische Schule besuchen zu dürfen, eine große Chance. Er besucht uns regelmäßig und – was ich nicht verschweigen will – unterstützt uns auch finanziell regelmäßig.

Letzteres ist  hilfreich und wir sind dafür sehr dankbar, dennoch möchte ich betonen, dass die Verbundenheit Karl Jordas mit „seiner“ Schule für mich wirklich viel bedeutsamer ist. So hat er sich bereiterklärt, im nächsten Jahr eine Rede bei der Abiturfeier zu halten.

In den letzten Tagen des letzten Schuljahrs besuchten uns 6 oder 7 ehemalige amerikanische Gastlehrer, die zu einer Anzahl von insgesamt 19 Absolventen des angesehenen lutheranischen Colleges St.Olaf in Minnesota gehörten und von 1948 bis 1968 die „neue Welt“ in den Odenwald brachten. Die amerikanischen Besucher machten uns ebenfalls deutlich, wie intensiv die Verbindung zu dieser Schule blieb.

Natürlich muss man auch ein bisschen nachhelfen, was immer Willy Jakobs Anliegen war, der  den Kontakt zu vielen der älteren Ehemaligen hielt und der auch immer bereit ist, bei runden Abiturjubiläen die ehemaligen Abis durch die nunmehr etwas anders aussehende Schule zu führen, die aber – interessanterweise – immer noch als die „eigene Schule“ angesehen wird.

Beim diesjährigen Treffen der Goldenen Abiturienten, die auch bei der beeindruckenden Abiturfeier anwesend waren und auch ein Grußwort hinterließen,  wurde uns immer wieder gesagt, dass „der alten Geist“ der MLS noch zu spüren sei, und dabei meinten sie die Forderung nach Leistung, die für das Studium und den späteren Beruf  gut vorbereiten, die Erziehung zur Selbständigkeit und das Angebot der Mitgestaltungsmöglichkeit.Bei Konzerten, die immer ein großes Erlebnis hier im Weschnitztal sind, bei den Theaterveranstaltungen, an denen oftmals auch noch ehemalige beteiligt sind, bei SV-Parties, bei Schulfesten kommen immer wieder viele ehemalige Schüler an „ihre Schule“. So ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass immer wieder die Rede ist von der Gründung eines Ehemaligenvereins.

In diesem Jahr hat uns der Abiturjahrgang 2002 verlassen, dem Markus Arnold und Daniela Bach angehörten und immer zu den aktiven Mitgestaltern an ihrer Schule gehörten, ebenso wie Björn Hörnle, der mir schon als stellvertretender Schülerzeitungschefredakteur und bald als verlässlicher Organisator des Rechtschreibtraining für die Unterstufe auffiel. Ihm verdankt der Freundeskreis auch große Unterstützung bei der Festschrift zum 50. Jubiläum, und ohne ihn und Markus wäre der Start unseres Indienprojektes, zwei Abiturientinnen unterrichten für ½ Jahr an einer indischen Schule, wahrscheinlich nicht in diesem Jahr vom Stapel gelaufen. So war es nahe liegend, dass ich den Entschluss fasste, der richtige Augenblick für die Gründung eines Ehemaligenvereins sei gekommen und uns die große Chance liefert, den Urenkel des Schulgründers zum Gründungsvorsitzenden zu küren.

Gute Mitstreiter fanden wir neben Willi Jakob in unserem ehemaligen Abiturienten, dessen Tochter gerade als Sextanerin in seine Fußstapfen tritt, Wolfgang Dörsam, der ein erfahrener Vereinsgründer ist und gute Hebammendienste leistet,  und Annemarie Kordecki, die zwar nicht die lange Geschichte der Verbundenheit mit der MLS wie Willi Jakob aufweisen kann, aber um so intensiver um die Kontaktpflege zu ehemaligen Schülerinnen und Schülen bemüht ist. Mit der Vorsitzenden des Freundeskreises ist eine besonders engagierte Frau unter uns, die sich in mehr als 10 Jahren aktiver Arbeit in der Elternvertretung und im Freundeskreis um die Schule verdient gemacht hat und für mich ein ganz wichtiger Partner in der Gestaltung dieser Schule ist.

So bedanke ich mich bei Ihnen allen, dass Sie bereit sind und ein so gewaltiges Stück Vorarbeit bereit geleistet haben, dass wir heute zu dieser historischen Tat schreiten können und den Ehemaligenverein der MLS gemeinsam aus der Taufe heben dürfen. Zwei mal hat es in den 50er Jahren einen Anlauf gegeben, einen Ehemaligenverein zu gründen. Im 115. Jahr des Bestehens der Schule als Nachfolger der  Höheren Bürgerschule Rimbach wollen wir heute diesen Schritt tun.

Herr Dörsam und Björn Hörnle haben zusammen mit Willi Jakob, Annemarie Kordecki und mir eine Satzung entworfen, die uns gelungen erscheint und eine Verbindung mit dem Freundeskreis schafft, der Synergismus bietet und unnötigen Bürokratismus verhindern soll.

Wir haben schon etliche gute Ideen. Ein Jour Fix soll jedes Jahr die Chance zum Wiedersehenstreffen bieten und von Oberstufenschülern vorbereitet und durchgeführt werden.Im Internet sind bereits etliche Jahrgänge präsent, dies soll noch verstärkt und vernetzt werden. Ein elektronisches Informationsschreiben soll die Ehemaligen, die nicht hier in der Region leben auch up-to-date halten. Außerdem wollen wir ein Netzwerk aufbauen, das Kontakte zu Universitäten und Betrieben pflegt.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei den beiden Tageszeitungen, die uns schon seit vielen Jahren unterstützen, indem sie über Rimbach hinaus über uns berichten und somit auch ein Unterstützungssystem unserer Ehemaligenpflege sind. Die Rückmeldung macht deutlich, dass die Ehemaligen gern von ihrer alten Schule etwas in der Zeitung lesen. Ich bedanke mich bei Ihnen allen, die Sie diese wichtige Gründung vorbreitet haben. Ich bedanke mich bei allen die zu dem Gemeinschaftssinn, zu der großen Schulgemeinde beitragen.

Ich wünsche der Schulgemeinde, dass diese heute Gründung überleben wird und beim hundertjährigen Bestehen des Freundeskreises der MLS man sich Gedanken macht, in Kürze das 50jährige Ehemaligenvereinsjubiläum zu feiern. Und da wirkt immer noch ein Björn Hörnle mit, nunmehr in Willy Jakobs Alter (fünf Jahre jünger um genau zu sein). Ich denke, dass unser Schulgründer, Pfarrer Hörnle, heute äußerst stolz wäre, seinen Urenkel an dieser Stelle zu sehen. Vielleicht ist das auch etwas von „dem Geist der MLS“ den die Goldenen Abiturienten in diesem Jahr zu spüren glaubten.“